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17. Juli 2026
Eine Strategie, aber kein konkreter Plan
Mit ihrer Strategie 2030 „Nachhaltiges Wachstum beschleunigen“ will die Deutsche Post eigenen Angaben zufolge ihre führende Position in der globalen Logistik stärken.
In diesem Zusammenhang ist auch eine Änderung der Konzernstruktur vorgesehen. Dabei wird sich die börsennotierte Muttergesellschaft – zukünftig firmierend unter dem Namen DHL AG – vor allem auf strategische bereichsübergreifende Aufgaben und Services fokussieren.
Alle operativen Logistiktätigkeiten, wie zum Beispiel die klassische Brief-, Verbund- und Paketzustellung, werden in eigenständige, 100-prozentige Tochtergesellschaften überführt. Der derzeit bestehende Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland wird künftig als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Deutsche Post AG geführt. Diese neue Gesellschaft bleibt Bestandteil der DHL Group und übernimmt die vollständige operative Verantwortung für das nationale Post- und Paketgeschäft sowie die Rolle des Postnachfolgeunternehmens (PNU), inklusive der Dienstherreneigenschaft.
Die neue Konzernstruktur soll im zweiten Halbjahr dieses Jahres vollständig umgesetzt werden. Soweit die Theorie! Doch wie sieht die derzeitige Praxis im Unternehmen aus? Ein konkreter Plan, um die Stellung als führender Logistikdienstleister zu behaupten und gegebenenfalls auszubauen, ist nicht wirklich zu erkennen. Ganz im Gegenteil: Für die Beschäftigten und Kunden des Unternehmens sieht es eher nach einem Fiasko – wohlgemerkt mit Ansage – aus.
Schnelle Einsatzgruppen sollen gebildet werden!
Um den nach wie vor grassierenden Personalmangel zu überbrücken, werden vonseiten des Arbeitgebers Versuche unternommen, im Bereich der Zustellung „schnelle Einsatzgruppen“ zu bilden. Diese sollen dann dort eingesetzt werden, wo es „brennt“. Das Ganze geschieht dann nicht nur in Zustellbereichen einer Niederlassung, sondern auch über die Niederlassungsgrenzen hinaus. Für uns als DPVKOM und natürlich auch für die Beschäftigten stellt sich dabei natürlich die Frage, wie das funktionieren soll? Welche Betriebsvereinbarungen gelten dann? Welche Vorgesetzten sind dann weisungsbefugt? Auf alle diese Fragen gibt es bislang keine Antworten! Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sollten unsere Betriebsräte vor Ort diesem Ansinnen eine Abfuhr erteilen.
Unternehmens- und Personalpolitik neu ausrichten!
Der Arbeitgeber hat seine strategischen Ziele zu abstrakt geplant und sie – mal wieder – nicht auf den Arbeitsalltag der Beschäftigten ausgerichtet und angelegt. Es wurde versucht, zu viele Dinge gleichzeitig umzusetzen, ohne die Beschäftigten in diese Prozesse einzubinden. Beispielhaft seien hier die A-B-Zustellung, die Verbundausweitung oder auch die Flexibilisierung genannt.
Die Strategie 2030 der Deutschen Post ist wertlos, wenn sie im operativen Alltag nicht gelebt werden kann. Wenn das Unternehmen Deutsche Post in eine erfolgreiche Zukunft gehen will, muss sie ihre Unternehmens- und Personalpolitik dringend neu ausrichten – nämlich im Sinne der Beschäftigten und Kunden. Dabei drängt die Zeit. Das Projekt „Start klar“ steht vor der Tür – so soll in einzelnen Niederlassungen der Probebetrieb im August anlaufen. Dieses wird in allen Bereichen der Post zu Veränderungen führen.
Für die Beschäftigten in den Bereichen Zustellung und stationäre Bearbeitung wird auch dieses neue Projekt Nachteile, wie schlechtere Dienstpläne oder den Wegfall bestimmter Tätigkeiten, mit sich bringen. Es ist daher mehr als fraglich, ob mit solchen Maßnahmen und Umorganisationen die Strategie des Unternehmens umgesetzt werden kann. Hierzu wären aus unserer Sicht folgende Maßnahmen viel wichtiger:
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen, damit die Fluktuation bei den Beschäftigten aufhört und neues Personal gewonnen werden kann!
- Bessere und familienfreundlichere Dienstzeiten!
- Mehr Wertschätzung und Respekt für die Beschäftigten!
- Keine Flexibilisierung und keine weitere Arbeitsverdichtung!
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Strategie 2030 erfolgreich umgesetzt werden, vorher nicht!
Ursprünglich veröffentlicht unter https://www.dpvkom.de
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